|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Internet von Frauen für Frauen. | [ Diskussion ] | [ Web ] | [ Publikationen ] | [ Geschichte ] | [ Net ] | ||
| Login |
Sprachliche Geschlechterdiskriminierung in Stellenanzeigen am Beispiel einer dänischen und einer österreichischen Zeitung Anita Bernroitner, 20. Dezember 1998 Inhaltsverzeichnis
Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, Stellenanzeigen aus einer österreichischen Zeitung, dem Standard, mit denen einer dänischen Zeitung, Stiftstidende, auf ihre geschlechtsneutrale Formulierung hin zu vergleichen, und dadurch, unter anderem, Rückschlüsse auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt zu ziehen. Ich habe für diesen Vergleich Stellenanzeigen aus traditionell männlich dominierten Berufssparten (Technik, EDV) und klassisch weiblich dominierten Sparten (kaufmännisch/soziale Berufe) ausgewählt. Hier möchte ich bei den Berufsbezeichnungen ein spezielles Augenmerk darauf legen, ob sich diese berufsspezifische Geschlechterdominanz auch in den Stellenanzeigen widerspiegelt. In der dänischen Sprache wird eine andere Strategie zur geschlechtsneutralen Formulierung verwendet als im Deutschen. Das hat jedoch weniger mit der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Gesellschaft zu tun als mit der grammatikalischen Struktur der Sprache. Es ist trotzdem interessant, zu sehen, welche Konsequenzen sich aus den einzelnen sprachlichen Strategien ergeben. 2. Geschlechterdiskriminierung in der Sprache Veränderungen in der Gesellschaft zeigen sich auch durch Veränderungen in der Sprache, allerdings hinken diese Änderungen sprachlicher Ausdrücke oft ihrer Zeit hinterher. Man findet heute viele Frauen in Berufen, in den vor 100 Jahren ausschließlich Männer tätig waren. Zugleich kann man aber bemerken, daß viele Berufsbezeichnungen, gesellschaftliche Funktionen und Titel noch immer in der ausschließlich männlichen Form verwendet werden. Die Sprache aus rein formaler Höflichkeit in eine frauenfreundlichere Sprache zu verändern ohne die sozialen Bedingungen für Frauen in der Gesellschaft zu verändern, würde wenig zur Beseitigung der gesellschaftlichen Geschlechterdiskriminierung beitragen. In den meisten Fällen ist es allerdings so, daß die Frauen zwar per Gesetz den Männern gleichgestellt sind (Gleichbehandlungsgesetze), sich diese Gleichstellung in der Sprache allerdings kaum widerspiegelt. (Kargl, Wetschanow, Wodak, 1997) "Das Männliche steht im Mittelpunkt der Gesellschaft, es ist Zentrum der Welt und Maßstab aller Dinge. In einem solchen androzentristischen Weltbild wird das Weibliche nicht über seine Eigenschaften definiert, sondern über seine Abweichungen vom Männlichen, von der Norm: so ist das Weibliche, wie Simone de Beauvoir sagt, nichts als "das andere", das zweite und zweitrangige Geschlecht." (Kargl/Wetschanow/Wodak/Perle, 1997, S. 20) Durch die Emanzipationsbewegung dieses Jahrhunderts hat sich die gesellschaftliche Position der Frau wohl um einiges verbessert, die patriarchalischen Strukturen und Werte sind aber nach wie vor noch der zentrale Maßstab, an dem sich die Gesellschaft orientiert. Ein Blick auf die Verteilung von Einkommen, Besitz und Arbeit macht deutlich, daß es immer noch die Männer sind, in deren Händen die meiste Macht konzentriert ist. 3. Feministische Systemlinguistik Die feministische Systemlinguistik analysiert das Sprachsystem im Hinblick auf Sexismen im Sprachsystem einer Sprache. Dieser Theorie liegt die Annahme zugrunde, daß die Sprachstruktur von der androzentristischen Gesellschaftsstruktur beeinflußt wird und die Sprachstruktur umgekehrt die Gesellschaft beeinflußt. Die sexistische Sprache ist als eine Sprache definiert, die Frauen ignoriert und ausschließt, sie in Abhängigkeit vom Mann darstellt, sie in traditionellen Rollen und mit sogenannten typisch weiblichen Eigenschaften und Verhaltensweisen darstellt und Frauen degradiert. (Kargl/ Wetschanow/Wodak, 1997) Pusch (1984) weist auf die psychologische Bedeutung des Wahrgenommenwerdens bei Personenbezeichnungen hin. Wenn Menschen wiederholt nicht wahrgenommen werden oder sich z.B. durch die Verwendung einer "männlichen" Sprache, die Frauen nicht sichtbar macht, nicht angesprochen fühlen, dann kann das zur Bildung von Identitätskrisen beitragen, da das Identifiziertwerden eine Voraussetzung zur Gewinnung einer eigenen Identität darstellt.
Die Übereinstimmung von Genus und Sexus Das Genus einer Personenbezeichnung und der Sexus der Person stimmen aber nicht immer überein. Im Deutschen heißt es zum Beispiel das Mädchen oder das Weib. Hier bezeichnet das Neutrum (Genus) eine weibliche Person (Sexus). Auch wenn das männliche Geschlecht in der Sprache aus grammatikalischer Sicht nur eine generische Funktion hat, wird dieses Geschlecht im Sprachgebrauch bei Personenbezeichnungen meist geschlechtsspezifisch interpretiert.
Die Movierung
Die Maskulinmovierung
Die Femininmovierung
Die Markiertheit 5. Personenbezeichnungen im Dänischen (aus Gomard, 1995) Im Dänischen gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten um Berufsbezeichnungen oder gesellschaftliche Positionen von Frauen zu benennen.
1. Femininmovierung:
durch die Endung -inde oder -ske am Wortende: Berufsbezeichnungen mit diesen Endungen, die im übrigen nur teilweise gebraucht wurden und die durch die, im Deutschen übliche, Femininmovierung gebildet wurden , sind im modernen Dänischen nur mehr sehr selten zu finden und beginnen nun gänzlich aus der Sprache zu verschwinden. Eine mögliche Erklärung dafür könnten gesellschaftliche Gründe sein. Diese weiblichen Berufspositionen hatten nicht denselben gesellschaftlichen Status und dieselbe Entlohnung wie ihre entsprechenden männlichen Berufe. Da aber die Qualifikation am Arbeitsmarkt mehr und mehr zum Kriterium wurde und das Geschlecht aus Gleichheitsgründen an Bedeutung verlor, begann man, diese femininen Berufsbezeichnungen aus der Sprache zu eliminieren.
2. Lexeme Zusammengesetzte Wörter die auf ein Lexem enden zB. -kone wie z. B. vaskekone 'Waschfrau' und rengøringskone 'Putzfrau' beziehen sich auf sozial wenig angesehene Berufe verheirateter Frauen.
Berufsbezeichnungen, die auf -dame enden, zeigen einen höheren sozialen Status an: Berufsbezeichnungen, die auf -pige enden, wurden ursprünglich für unverheiratete Frauen verwendet. Während der 60iger Jahre erschienen allerdings viele neue Berufe mit der Endung -pige am Arbeitsmarkt und seither werden Wörter mit dieser Endung auch für Berufe, die von reifen Frauen ausgeübt werden verwendet. Die Wortzusammensetzung mit -pige weist auf eine informale Atmosphäre am Arbeitsplatz hin.
3. Geschlechtsneutrale Wörter
hun er - læge, præst, professor, formand Die dänische Grammatik macht keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich und deshalb werden diese Wörter als geschlechtsneutral betrachtet. Endungen auf -inde und -ske sowie Zusammensetzungen mit -kone, -dame und -pige beziehen sich nur auf Frauen. Die einzige Ausnahme stellt das Wort sygeplejerske 'Krankenschwester' dar, das sowohl für Frauen als auch Männer verwendet werden kann. Allerdings wird dieses Wort nun zumindest offiziell durch das neutrale Wort sygeplejeassisten 'Krankenpflegeassisten' ersetzt. Es können dagegen alle Berufsbezeichnungen für Männer auch für Frauen verwendet werden. Auch die Berufsbezeichnungen, die mit dem Wort -mand enden und somit eigentlich das maskuline Gegenstück zu -kone darstellen, können sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet werden. Bei weitem der größte Teil der dänischen Berufsbezeichnungen ist geschlechtsneutral und hat den Genus commune. Es ist allerdings fraglich, ob diese Berufsbezeichnungen auch wirklich als geschlechtsneutral empfunden werden. Berufe aus traditionell männlich oder weiblich dominierten Berufssparten werden erwartungsgemäß eher mit dem einen oder anderen Geschlecht assoziiert. Diese Erwartungen spiegeln sich auch in der dänischen Sprache wieder. Es wird als notwendig empfunden, zu sagen: kvindelig præst 'weiblicher Priester oder mandlig kontorassistent 'männlicher Sekretär'. Es käme aber umgekehrt kaum jemand auf die Idee, zu betonen, daß es sich hier um einen männlichen Priester und eine weibliche Sekretärin handelt. Dieses implizite soziale Geschlecht wird in manchen Berufen (PriesterIn, ÄrztIn) wohl verschwinden, wenn diese von ungefähr gleich vielen Männern und Frauen ausgeübt werden oder sich womöglich sogar umkehren wenn sich die Geschlechterdominanz radikal ändert. Es werden aber jene traditionell geschlechterdominierten Berufe aller Voraussicht nach ihr soziales Geschlecht beibehalten, in denen kein radikaler Umkehrtrend in Sicht ist. In Dänemark verlangt die Gesetzgebung aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes, daß sich Stellenangebote an Frauen und Männer richten müssen. Der Gleichstellungsrat hat empfohlen, daß Berufsbezeichnungen wie styrmand 'Steuermann' und sygeplejerske 'Krankenschwester', die eindeutig mehr an ein Geschlecht appellieren, mit dem Zusatz m/k (männlich/weiblich) gekennzeichnet sein sollen, um sicher zu stellen, daß sich beide Geschlechter angesprochen fühlen. Diese Lösung ist allerdings nicht sehr elegant und wurde nie sehr beliebt. Außerdem entstand auch Verwirrung darüber, bei welchen Berufsbezeichnung man diesen Zusatz nun verwenden soll und bei welchen er überflüssig ist. Deshalb wurde eine Liste mit geschlechtsneutralen Berufsbezeichnungen herausgegeben, die mit den Komposita -assistent '-assistent', -medarbejder '-mitarbeiter' und -medhjælp '-mithilfe' gebildet werden, um die alten, nicht geschlechtsneutralen Berufe zu ersetzen, was schließlich auch mit Erfolg geschah. 6. Personenbezeichnungen im Deutschen (Kargl, Wetschanow, Wodak, 1997) Im Deutschen gibt es vier Möglichkeiten um Berufsbezeichnungen und soziale Stellungen von Frauen in der Sprache auszudrücken.
Die Wortendungen -in und -euse
Lexeme Wortzusammensetzungen mit Lexemen, die eine weibliche Bedeutung haben, wie -frau oder -mädchen. Anders als im Dänischen kann bei Berufs- oder Postitionsbezeichnungen im Deutschen immer das Wort -frau anstelle des Wortes -mann angehängt werden. Das wurde vor allem in letzter Zeit zunehmend gemacht, z. B. bei den Lehrberufen: Bürokaufmann - Bürokauffrau Berufe an die das Lexem -mädchen angehängt wird, verfügen über ein niedriges Sozialprestige und können vor allem dann, wenn sie für reife Frauen verwendet werden, als herablassend empfunden werden. Solche Berufsbezeichnungen wie z.B. Zimmermädchen oder Kindermädchen versucht man durch andere Wörter wie beispielsweise Hotelangestellte oder Kinderbetreuerin zu ersetzen.
Der Artikel
Attribute Anders als im Dänischen wird im Deutschen zunehmend mehr Wert darauf gelegt, die weibliche und die männliche Form einer Personenbezeichnung sichtbar zu machen. Diese Bestrebungen wurden zuerst von der Frauenbewegung gefordert und werden meiner Meinung nach nun von breiten Teilen der Bevölkerung gewünscht und verwendet. In der gesprochenen Sprache hat sich diese Strategie allerdings noch kaum durchgesetzt, da es als sehr umständlich empfunden wird. Mittlerweile wird im geschriebenen Deutsch die unmarkierte, neutrale Form z. B. Studenten bereits von vielen als eine sich ausschließlich auf Männer beziehende Personenform gesehen und somit als frauendiskriminierend bezeichnet. Die Verwendung eines Wortes im maskulinen Singular, z. B. 'Student', empfinde ich keiner Weise mehr als geschlechtsneutral und in Österreich ist es auch eher ungewöhnlich, es so zu verwenden. Ich würde beispielsweise niemals sagen, ' ich bin ein Student ', sondern immer 'ich bin eine Studentin'. Diese Wahrnehmungen sind natürlich subjektiv und ich bin mir auch durchaus bewußt, daß viele ältere Leute in diesem Punkt nicht oder nur teilweise mit mir übereinstimmen würden.
Möglichkeiten der Sichtbarmachung - das Splitting
Die Paarform
Der Schrägstrich
Das Große I Das Große I kann als Zusammenziehung des Schrägstrichs mit dem Buchstaben i bzw. I gesehen werden. Die Anwendung des Großen I wurden in den letzten Jahren immer beliebter und wird vereinzelt auch schon im mündlichen Sprachgebrauch verwendet. Die Vorteile des großen I sind, daß es kurz und praktisch ist, dem gewohnten einheitlichen Bild eines Wortes entspricht und die Aussprache möglich ist. Bei der Aussprache wird ein sogenannter Glottisverschluß nahegelegt. Es sollte analog zu einem Vokal am Wortanfang, also mit einer vorhergehenden Pause und Betonung, ausgesprochen werden. Ein Beispiel dafür liefert das Wort Bürgerinitiative, das einen "harten Einsatz" (Glottisverschluß) vor dem ersten i hat. Anwendung findet das große I vor allem für Formulare, Gesetzestexte, wissenschaftliche und journalistische Texte und in der privaten Kommunikation (Einladungen, Briefe, Alltagsgespräche). In fortlaufenden Texten müssen die Begleitwörter der Personenbezeichnungen (Artikel, Pronomen, Attribute) in der Einzahl gesplittet werden. Das kann durch die volle Doppelform erfolgen: ein bzw. eine StudentIn. Wenn aber mehr als ein Wortbegleiter vorhanden ist, dann ist es besser auf den Plural auszuweichen: anstelle von ein begeisterter bzw. eine begeisterte StudentIn ist begeisterte StudentInnen zu bevorzugen. Dieses Splitting kann allerdings auch durch das Splitting mit Großbuchstaben erfolgen: AnspruchsberechtigteR. Das ist möglich, wenn die feminine Form der Pesonenbezeichnung und Wortbegleiter auf -e endet und deren maskuline Form durch das Anfügen eines -r oder eines -n gebildet wird. Das kann allerdings auch zu ungewohnten Wortbildern führen (einE BehinderteR), die den Lesefluß beeinträchtigen können. Bei Fürwörtern wirkt diese Variante allerdings weniger ungewohnt: jedeR, eineR, mancheR 1985 wurde in der Novelle zum Gleichbehandlungsgesetz ein Verbot geschlechtsspezifischer Stellenauschreibungen verankert. Im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz, das Arbeitsverhältnisse mit dem Bund regelt, wurde 1993 eine geschlechtsspezifische Diskriminierung verboten und besondere Fördermaßnahmen für Frauen vorgesehen, beispielsweise durch § 6: geschlechtergerechte Ausschreibung von Planstellen und Funktionen. 1993 wurde die Verleihung der weiblichen Form von akademischen Titeln, Magistra und Doktorin, beschlossen, Lehrberufe sind in den Lehrbriefen nur mehr in der geschlechtsspezifischen Form zu bezeichnen. 7. Die Untersuchung von Stellenanzeigen Ich habe in meiner empirischen Untersuchung jeweils 60 Stellenanzeigen (30 aus der kaufmännisch/sozialen Brache, 30 aus der technischen/EDV Branche) aus einer österreichischen Zeitung, dem Standard, und einer dänischen Zeitung, Stiftstidende, ausgewählt und auf ihre geschlechtergerechte Formulierung hin untersucht. Ich habe dabei in der deutschen Sprache alle Arten des Splittungs aber auch geschlechtsspezifische Stellenausschreibungen gefunden, im Dänischen habe ich nur wenige Berufsbezeichnungen gefunden, die man als geschlechtsspezifische Formulierung interpretieren könnte. 8. Stellenanzeigen im Standard
Technische Berufe:
Die feminine Berufsbezeichnung:
Die maskulinen Berufsbezeichnungen:
Die Berufsbezeichnungen im Plural:
Splitting mit Schrägstrich (9):
Splitting mit großem I (5):
andere Arten des Splittings (2):
Soziale/Kaufmännische Berufe:
Die femininen Berufsbezeichnungen (4):
Die maskulinen Berufsbezeichnungen (6):
Splitting durch Paarform:
Splitting durch Schrägstrich (9):
Splitting durch großes I (8):
Splitting durch Klammern:
Schlußfolgerungen
Beim Splitting werden alle möglichen Arten verwendet. Etwas mehr als die Hälfte der Berufsbezeichnungen wurde durch einen Schrägstrich gesplittet. Das Splittung mit dem großem I, das vor einigen Jahren noch sehr selten zu finden war, ist mittlerweile schon sehr populär geworden und ist bei ca. einem Drittel der Stellenausschreibungen anzutreffen. Das Splitting mittels Klammern, kommt eher vereinzelt vor. Diese Variante wird nach Hellinger (1990) von den Linguisten nicht unterstützt, da die weibliche Endung in Klammern steht und somit die weibliche Form sprachlich nicht als gleichgewichtig sondern als Anhängsel, daß man auch weglassen kann, dargestellt wird. Im Bereich der technischen Berufe, die traditionell männlich dominiert sind, kann man feststellen, daß im Vergleich zu den kaufmännisch/sozialen Berufen, nicht nur weniger Berufsbezeichnungen geschlechtsneutral formuliert sind, sondern auch, daß bei der geschlechtsspezifischen Form fast ausschließlich die männliche Form verwendet wird. Die einzige weibliche Berufsbezeichnung, eine Schnittbildassistentin, klingt allerdings auch weniger nach einem typisch technischen als nach einem 'weiblichen Bürojob'. Unter den Berufsbezeichnungen im maskulinen Genus findet man auffällig oft die Bezeichnung Ingenieur, die in meiner Stichprobe drei mal auftaucht, jedoch nie in gesplitteter Form. Interessant ist auch, daß im Gegensatz zu den akademischen Titeln Magister/Magistra und Doktor/Doktorin, der Titel Diplom Ingenieurin noch nicht gesetzlich beschlossen wurde. Bei den geschlechtsspezifisch formulierten kaufmännisch/sozialen Berufen kann man nicht nur die traditionellen Männer- und Frauenberufe erkennen, sie spiegeln auch die hierarchische patriarchalische Geschlechterdominanz am Arbeitsmarkt wider. Ein typisches Beispiel dafür ist, daß ein Controller bzw. Betriebswirt gesucht und eine Buchhalterin. Der Beruf der Buchhalterin, wird, ähnlich wie der der Sekretärin, dem weiblichen Geschlecht zugeordnet, der Beruf Controller, der eher einer Leitungsfunktion entspricht, wird hier dem männlichen Geschlecht zugeordnet, obwohl es in Österreich mittlerweile etwa genau so viele Studentinnen wie Studenten der Betriebswirtschaft gibt. Ein anderes Beispiel ist, daß ein Verkaufsleiter gesucht wird und eine Vertriebsassistentin. Es kommt allerdings auch vor, daß das Geschlecht, dem Arbeitsinhalt angepaßt wird. Es wird beispielsweise von der selben Firma eine Verkaufsberaterin für den Gesundheits/Hygiene Bereich gesucht und ein Verkaufsberater für Schädlingsbekämpfungsmittel. Hier scheint der Grundgedanke dahinter zustecken, daß die Kunden einer Frau im Bereich Gesundheit/Hygiene eine höhere Kompetenz zuschreiben werden und bei den Schädlingsbekämpfungsmitteln den Rat eines Mannes bevorzugen werden. Ein anderes Beispiel ist das der Qualifizierungskoordinatorin, die für ein Reintegrationsprojekt von Frauen in den Arbeitsmarkt gesucht wird. Hier scheint der Arbeitergeber der Überzeugung zu sein, daß sich aus dem Arbeitsbereich an sich ergibt, daß eine Frau diese Arbeit besser ausführen kann als ein Mann, weil sie vermutlich mehr Verständnis für die Situation von Frauen aufbringen kann. Ein anderes interessantes Beispiel ist das Inserat, in dem ein Psychologe für ein Unternehmen gesucht wird, in dem es ein geschlechterparitätisches Team gibt. Hier scheint man die Unternehmensphilosophie zu verfolgen, daß die Chancengleichheit für Männer und Frauen im Unternehmen selbst durch eine interne Quotenregelung umgesetzt wird. Dieses System hat meiner Meinung nach aber den Nachteil, daß nicht der/die Bestqualifizierteste, unabhängig von seinem/ihrem Geschlecht, den Job erhält. 9. Stellenanzeigen in der Stiftstidende
Technische/EDV Berufe:
Kaufmännische/soziale Berufe:
Endung mit -ske:
Andere Endungen:
Schlußfolgerungen Im kaufmännisch/sozialen Bereich scheint die feminine Berufsbezeichnung sygeplejerske nach wie vor üblich zu sein. Ich konnte in den Inseraten allerdings auch nicht die Abkürzung m/k finden, die bei dieser Berufsbezeichnung stehen könnte. Die Buchstaben m/k habe ich jedoch einmal bei einer Berufsbezeichnung (Adminsitrationschef), die auf -chef endet, entdeckt. Nach der neuesten Regelung sollte der Zusatz m/k jedoch generell weggelassen werden, da nun alle Berufsbezeichnungen, für die kein geschlechtsneutrales Wort gefunden werden konnte zB sømand per Dekret für geschlechtsneutral erklärt wurden. In der dänischen Sprachen kann man aufgrund der Neutralisierung kaum mehr auf traditionelle männlich oder weibliche dominierte Berufe schließen. Vermutlich werden in ein paar Jahrzehnten auch die letzten geschlechtsspezifischen Wortendungen durch eindeutig neutrale Formen ersetzt werden. Im Deutschen hat der Umbruch hin zu den geschlechtsneutralen Formulierungen erst so richtig begonnen. Es gibt keine offiziellen einheitlichen Richtlinien des Splittings und deshalb findet man zur Zeit alle möglichen Formen vor. Das ist allerdings kein großes Problem, ich vermute, daß sich in den nächsten Jahren generelle Trends durchsetzen werden. Durch die Tatsache, daß das Splitting mittlerweile üblich geworden ist (man konnte es bei 2/3 der Berufsbezeichnungen vorfinden), erscheint die maskuline Genusform immer weniger als unmarkiert. Manche Arbeitergeber sind nun dazu übergegangen, die geschlechtsspezifische Form der Berufsbezeichnung, entsprechend ihrem/ihrer WunschkandidatIn, zu wählen und am Ende des Inserates kleingedruckt darauf zu verweisen, daß man sich selbstverständlich an Damen und Herren wenden würde. Dieser Entwicklung müßte man gesetzlich entgegenwirken, in dem man auf ein Splitting im gesamten Inserat, vor allem in der großgedruckten Überschrift, besteht. Generell trägt das Splitting aber dazu bei, die traditionell geschlechtsspezifisch dominierten Berufe, durch die gesplittete Berufsbezeichnung zu neutralisieren und damit die Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen. Es sollte aber trotz der positiven Entwicklung nicht übersehen werden, daß immer noch 1/3 der Stellenausschreibungen nicht neutral formuliert wurde. Das fällt besonders im technischen Bereich auf. Eine Folge dieser Mißachtung der geschlechtsneutralen Formulierungen kann dazu führen, daß Frauen keine Ausbildung im technischen Bereich oder für leitende kaufmännische Tätigkeiten anstreben, da sie den Eindruck vermittelt bekommen, daß Unternehmen in diesen Bereichen bevorzugt oder fast ausschließlich Männer beschäftigen möchten. Umgekehrt kann es dazu führen, daß Frauen sich, selbst wenn sie höher qualifiziert sind, sich eher auf Stelleninserate von meist schlechter entlohnten, typisch weiblichen Berufen zB. eher als Buchhalterin anstatt als weiblicher "Controller", bewerben werden. Deshalb ist es wichtig, daß die Stellenanzeigen durch ihre geschlechtsneutrale Formulierung beide Geschlechter ansprechen und beide eindeutig gleichermaßen zur Bewerbung und zur Tätigkeit in diesem Berufsfeld ermutigen. Die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau ist somit in wichtiger Schritt hin zur wirklichen Gleichberechtigung. Gomard, Kirsten,: The (un)equal treatment of women in language: A comparative study of Danish, English and German. In: Working Papers on Language, Gender, and Sexism Vol. 5.1 1995Hellinger, Marlies: Konstrastive Feministische Linguistik: Mechanismen sprachlicher Diskriminierung im Englischen und Deutschen, 1990, Max Hueber Verlag Kargl/Wetschanow/Wodak: Kreatives Formulieren: Anleitungen zu geschlechtergerechtem Sprachgebrauch, Schriftenreihe des Frauenministeriums, Band 13, Juli 1997, Wien Pusch, Luise F.: Das Deutsche als Männersprache: Aufsätze und Glossen zur feministischen Linguistik, 1984, Suhrkamp Verlag |
|
| HOME | DISKUSSION | WEB | PUBLIKATIONEN | GESCHICHTE | NET | ||
| last updated 29.9.2000 | ||