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jean bartik - eine informatikerin der ersten stunde

Artikel von Monika Lanzenberger, Fridolin Nr.100 zeitschrift für informatikerInnen, wirtschaftsinformatikerInnen und datentechnikerInnen, Wien 1999.

Jean Bartik (Jennings), geb. 1924
jbartik@ibm.net

"Every time an opportunity occurs we should grab it"

Jean Bartik wurde am 27. Dezember 1924 in Stanbury, Kansas geboren. Im September 1941 begann sie mit dem College (damals hieß das College Northwest Missouri State Teachers College, mittlerweile wurde die Bezeichnung auf Northwest Missouri State University geändert). Nur durch die Unterstützung ihrer Tante konnte der Collegebesuch finanziert werden, trotzdem mußte Jean Bartik neben der Ausbildung noch Geld verdienen, damit sie ihr Zimmer in Maryville bezahlen konnte. Daher arbeitete sie im Buchladen bzw. in der Cafeteria des Colleges.
Zuerst wollte Jean Bartik Journalismus belegen und später ein Studium an der Universitüt anschließen. Da sie jedoch annehmen mußte, daß ihr das Studium niemand finanzieren würde, beschloß sie ihren Schwerpunkt auf Mathematik zu legen und im Nebenfach Englisch zu inskribieren. In einem späteren Interview erinnert sie sich, daß Mathematik für sie damals hauptsächlich spielerisch war, wie das Lösen eines Puzzels, nicht aber als ernstzunehmendes Studium. Neben Geometrie, Trigonometrie belegte sie auch Kurse in Physik. Zumeist war sie die einzige Frau in diesen Kursen.
Nach ihrem Abschluß in Mathematik standen ihr als Frau vor allem Jobangebote als Mathematiklehrerin zur Auswahl, sie wollte jedoch einen anderen Weg einschlagen. Ihre Lehrerin, Dr. Blanche Dow förderte sie dabei. Schließlich bewarb sie sich bei APG (Aberdeen Proving Ground, Maryland), dem ältesten Versuchsgelände der Amerikanischen Armee. Die Wurzeln der Informatik sind sehr eng mit dem Militär verknüpft. Die amerikanische Regierung investierte auch damals sehr viel in die Rüstung. Während des 2. Weltkrieges wurde auf der Universität Pennsylvania's "Moore School of Electrical Engineering" der ENIAC (Electronic Numerical Integrator and Computer) als erster elektronischer Computer gebaut. Er sollte die Berechnung der Flugbahnen von militärischen Geschoßen vornehmen. Davor wurde diese Arbeit von etwa 80 Frauen durchgeführt, sie benötigten dafür einige Tage, der ENIAC sollte nur mehr zwanzig Minuten für diese Berechnungen brauchen. Von März 1945 bis Juni 1945 berechnete Jean Bartik Flugbahnen, im Juni 1945 wurde sie als eine von 6 Frauen eingestellt um den ENIAC zu programmieren. Jedoch existierten keinerlei Handbücher oder sonstige Hilfsmittel. Die Einarbeitszeit nahm einige Monate in Anspruch. Wobei sie zunächst die I/O Schnittstellen studierte. Sie lernte den ENIAC zu programmieren und entwickelte dafür notwendige Notationen. Schliesslich gelang es ihr, den ENIAC zu einem "stored program computer" zu programmieren, was die Voraussetzung dafür war, daß der ENIAC überhaupt die geplanten Berechnungen durchführen konnte. Um die Hardware - unter anderem bestehend aus 18.000 Vakuum-Röhren - in Gang zu setzen, mußten 3000 Schalter eingestellt, Unmengen von Kabel umgesteckt werden. Eine Mitarbeiterin von Jean Bartik, Kay Antonelli, meinte dazu:"Wir lernten die Maschine von innen und außen genau kennen, was sich später auszahlte. Wir konnten nicht nur programmieren, sondern auch die Fehler beseitigen." Trotz dieser Qualifikationen wurde die Frauen als sogenannte SP's - subprofessionals - bezeichnet und erhielten dementsprechend nur ein Drittel des Lohns der mitarbeitenden Männer. Im Februar 1946 fand der offizielle Start im Beisein aller Wissenschaftler statt. Die Maschine funktionierte und errechnete die gewünschten Ergebnisse. Dann gingen die Männer feierlich Essen, die Programmiererinnen nach Hause.

Erst über 50 Jahre später, am 6. Juni 1997 wurde Jean Bartik gemeinsam mit den anderen ENIAC-Frauen (Marlyn Meltzer, Ruht Teitelbaum, Frances Spence, Kay Antonelli, Betty Holberton) für ihre Verdienste in der Informatik geehrt und von "Women in Technology International" (WITI) in die "Hall of Fame" aufgenommen.

Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete sie zunächst an der Weiterentwicklung des ENIAC, 1948 programmierte sie den BINAC. Um 1950 entwarf sie die Logik und das Backup-System für den UNIVAC I. Von 1951 bis 1967 unterbrach sie ihre Berufstätigkeit, da sie in der Zwischenzeit eine Familie gegründet hatte und auch ihre drei Kinder betreute. Trotzdem schloss sie in dieser Zeit noch ein Sprachstudium an der Universität ab. Als sie dann 1967 wieder in das Berufsleben zurückkehrte, arbeitete sie bis 1975 bei Auerbach Publishers im Bereich "Minicomputer". Von 1976 bis 1978 war sie als Marketing Managerin bei Interdata beschäftigt. Von 1977 - 1978 arbeitete sie als Market Support Manager verantwortlich für Publications, User Group, Competitive, Software Lib. Von 1978 bis 1980 arbeitete sie bei Honeywell in Minneapolis als "Manager of Minicomputer" im Bereich Competitive Analysis. Von 1980 bis 1985 war sie bei Data Decision Senior Editor und entwickelte Communications Reports. 1985 hat sie das Berufsfeld gewechselt und betreibt seither eine Immobilienkanzlei, wo sie auch eine Homepage hat: http://www.foxroach.com/agents/4815560.htm.

Während der Arbeit an diesem Artikel habe ich zufällig erfahren, daß Jean Bartik per email erreichbar ist. Nachdem ich auch auf der Suche nach einem Foto von ihr war, habe ich ihr einfach eine email geschrieben. Nach wenigen Tagen erhielt ich die Antwort, daß sie sich sehr freue und mir ein Foto schicken werde. Dafür möchte ich mich nochmals sehr herzlich bedanken.

monika

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last updated 29.9.2000